Die Auswahl des geeigneten Probenmaterials zum Nachweis von Drogen und/oder Medikamenten richtet sich maßgeblich nach der klinischen oder forensischen Fragestellung, dem vermuteten Zeitpunkt der Substanzaufnahme sowie den praktischen Rahmenbedingungen der Probengewinnung. Grundsätzlich ist zwischen dem Nachweis einer akuten pharmakologischen Wirkung, dem Beleg einer zurückliegenden Einnahme und der Beurteilung langfristiger Konsummuster zu unterscheiden. 

Während Spontanurin bei Drogenscreenings nach wie vor ein sehr häufig eingesandtes Untersuchungsmaterial darstellt, hat nach unserer Erfahrung die Untersuchung von Speichel insbesondere im Bereich von Screenings in der Suchttherapie deutlich an Bedeutung gewonnen und ist sehr gut etabliert. Im Bereich der Wirkstoffspiegel-Bestimmungen (TDM) ist Serum (ohne Gel) zu verwenden.

Blut (Serum oder Plasma)

Blutproben im Ständer

Die Untersuchung von Blutproben ermöglicht die quantitative Bestimmung von Wirkstoffen und gegebenenfalls ihrer Metaboliten. Dadurch lassen sich Aussagen zum Intoxikationsgrad und zur akuten pharmakologischen Wirkung (TDM) treffen. Insbesondere im klinisch-toxikologischen Kontext sowie in der Verkehrs- und Rechtsmedizin besitzt die Blutanalytik eine hohe Aussagekraft, da sie die aktuell wirksame Substanzkonzentration im systemischen Kreislauf widerspiegelt. 

Darüber hinaus können aus derselben Probe ggf. zusätzliche infektionsserologische Untersuchungen durchgeführt werden.

Das Nachweisfenster ist im Vergleich zu Urin in der Regel kürzer und reicht – abhängig von der jeweiligen Substanz – von Minuten oder Stunden bis zu wenigen Tagen. So sind Substanzen wie Cocain oder Amphetamin aufgrund der geringen Halbwertszeit typischerweise nur über wenige Stunden nachweisbar. 

Im Fall der Cannabinoide ist bei gelegentlichem Konsum ein Nachweis nur über einige Stunden möglich, bei chronischen Konsumenten sind längere Nachweiszeiten möglich. Unter Berücksichtigung pharmakokinetischer Modelle bieten wir für Cannabinoide auf Wunsch eine vorsichtige Abschätzung des Konsumzeitraums an. Zusätzlich kann anhand der THC-COOH-Konzentration im Blut beurteilt werden, ob ein gelegentliches oder intensiv-regelmäßiges Konsumverhalten vorliegt. 

Bei Kapillarblutproben ist zu beachten, dass die gemessenen Werte nur eingeschränkt mit Serum- oder Plasmakonzentrationen vergleichbar sind.


Urin

Urinbecher

Die Urinanalytik stellt das Standardverfahren für toxikologische Screenings dar. Das Nachweisfenster ist substanzabhängig länger als im Blut, da Metabolite in konzentrierter Form ausgeschieden werden. Es reicht von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen. Bei regelmäßigem Konsum bestimmter Substanzen, insbesondere von Cannabis, kann der Metabolit THC-COOH z. T.  über Wochen nachweisbar sein.

Die Urindiagnostik eignet sich primär zum Nachweis einer zurückliegenden Substanzaufnahme. Eine Aussage zur akuten pharmakologischen Wirkung oder zur aktuellen Beeinträchtigung ist auf Grundlage von Urinbefunden nicht möglich. 

Effekte aufgrund einer zu hohen Probenverdünnung aufgrund unterschiedlicher Hydratationszustände oder auch in Folge einer möglichen Probenmanipulation können anhand der Kreatinin-Konzentration überprüft werden. 

Bei niedrigen Konzentrationen einzelner Substanzen ist zudem eine mögliche passive Exposition in Betracht zu ziehen, während höhere Konzentrationen typischerweise für einen aktiven Konsum sprechen.

Im Fall der synthetischen Cannabinoide hat sich gezeigt, dass wir durch die Angabe semi-quantitativer Werte bei der Abgrenzung einer passiven Exposition gegenüber einem aktiven Konsum wertvoll unterstützen können. 


Haar

Haarprobe

Eine Haaranalyse ermöglicht eine Diagnostik über mehrere Monate. Das retrospektive Nachweisfenster hängt bei einer Haaranalyse von der Länge des untersuchten Haarabschnitts und der individuellen Haarwachstumsrate ab. Diese kann erheblich variieren und liegt bei Kopfhaar zwischen 0,5 und 1,5 cm pro Monat. Im Allgemeinen wird eine durchschnittliche Haarwachstumsrate von 1 cm pro Monat angenommen, sodass 1 cm Haar einer Exposition von einem Monat entspricht.

Sollte kein Kopfhaar zur Verfügung stehen, bieten wir alternativ die Analyse aus Körper- und Barthaaren an. 

Damit eignet sich dieses Material insbesondere zur Beurteilung langfristiger Konsummuster, zur Abstinenzüberwachung oder für forensische Fragestellungen.

Der wesentliche Vorteil liegt im langen Nachweisfenster und der Möglichkeit, anhand der nachgewiesenen Konzentrationen einen wiederholten Konsum von einer einmaligen Aufnahme zu unterscheiden, wobei ein einmaliger oder seltener Konsum unter Umständen unentdeckt bleiben kann. 

Die Analytik ist methodisch anspruchsvoller als bei Urin- oder Blutuntersuchungen. Zudem müssen unter besonderen Umständen eine passive Antragung von Drogen z.B. aus Stäuben oder Aerosolen berücksichtigt werden, insbesondere beim fehlenden Nachweis von Metaboliten. Eine Abgrenzung ist hier über die Bestimmung von Metaboliten möglich. Zudem sind bei der Begutachtung mögliche Einflüsse durch kosmetische Haarbehandlungen wie Färben oder Bleichen zu beachten. Bei der Interpretation von speziellen Problematiken stehen wir Ihnen mit unserer Erfahrung zur Verfügung.


Speichel (Oralfluid)

Tupfer für Speichelprobe

Die Probengewinnung ist einfach, wird als weniger belastend als eine Urin-Sichtkontrolle empfunden und ist dabei weniger manipulationsanfällig. Die im Speichel gemessenen Konzentrationen korrelieren in vielen Fällen mit der freien, pharmakologisch aktiven Plasmakonzentration einer Substanz (auch belegt durch eigene Forschungstätigkeit, siehe unten). 

Das Nachweisfenster umfasst in der Regel einige Stunden nach der Einnahme und ist stark substanzabhängig. So sind die Konzentrationen von basischen Verbindungen wie Amphetaminen und Opiaten vergleichsweise hoch, wodurch sich ein recht langes Nachweisfenster ergibt. Bei den Cannabinoiden spricht ein positiver Befund hingegen für einen zeitnahen Konsum.


Zusammenfassung

Für Wahl des geeigneten Untersuchungsmaterials sind die konkrete Fragestellung, Zeitpunkt bzw.  -intervall der vermuteten Substanzaufnahme sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen ausschlaggebend. 

Für die Beurteilung einer akuten Beeinflussung oder Intoxikation ist eine Bestimmung aus Blut erforderlich. Für therapiebegleitende Screenings sind Speichelproben sehr gut geeignet, insbesondere, wenn ein möglicher THC-Konsum von untergeordnetem Interesse ist. Aufgrund des längeren Nachweisfensters ist Urin besonders für den Nachweis eines zurückliegenden Konsums geeignet. Zur Beurteilung langfristiger Konsummuster bietet die Haaranalyse entscheidende Vorteile.

Fragestellung     Bevorzugtes Material
Akuter Verdacht / Beurteilung der aktuellen Beeinflussung / TDM / Intoxikation Blut (Serum, Plasma)
Beurteilung zurückliegender Konsum Urin, Speichel 
Langfristige Konsummuster Haar
therapiebegl. Screenings / große Kollektive Speichel, Urin


 Nachweisbarkeit nach dem letzten Konsum*:
 Nachweisbarkeit nach dem letzten Konsum
* Das Kopfhaar wächst ca. 1 cm pro Monat

Publikationen mit Beteiligung des Labor Staber auf dem Gebiet der Drogen-, Arzneimittel-und Alkoholkonsumarker-Analytik in verschiedenen Matrices:

  • M. Mühlenbrink, J. V. Stein, C. Geffert, Quantification of ethyl glucuronide in hair: Evaluation of a commercially available LC-MS/MS kit, J Lab Med 2026, eingereicht.
  • Blavier CAK, Villet MH, Zschiesche A, Auwärter V, Graw M, Geffert C, Groth OC. Entomological consequences and toxicological detection of synthetic cannabinoid receptor agonists (SCRAs). Int J Legal Med. 2026 Jan 2. doi: 10.1007/s00414-025-03688-8. Epub ahead of print. PMID: 41483100.
  • K. Ruppert, C. Geffert, H. W. Clement, E. Schulz, C. Fleischhaker, Therapeutic Drug Monitoring of Atomoxetin in Children and Adolescents with Attention-Deficit / Hyperactivity Disorder: A Naturalistic Study, Journal of neural transmission 2022, 129(7): 945 - 59.
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  • H. W. Clement, A. Meyer, L. Böhm, J. Böckmann, C. Geffert, C. Fleischhaker, E. Schulz, Oral Fluid Venlafaxine and Clozapine Levels for Therapeutic Drug Monitoring, Pharmacopsychiatry 2019, 52(2): 106.
  • A. Krumbholz, A. Stöver, C. Geffert, M. Graw, D. Thieme, The Influence of Ethanol Consumption on the Endogenous Biosynthesis of the Glucocorticosteroids Cortisol and Cortisone, Recent Advantages in Doping Analysis 2018, 26: 193.
  • J. Preiskorn, S. Studer, R. Lukacin, C. Geffert, C. Fleischhaker, H. W. Clement, E. Schulz, M. Biscaldi, Inter- and Intraindividual Variation of Methylphenidate Concentrations in Serum and Oral Fluid of ADHD Patients, Ther Drug Monit. 2018, 40(4): 435 - 442.
  • O. Weimer, C. Geffert, Hohe Ethylsulfat-Konzentration im Urin nach oraler Aufnahme eines Desinfektionsmittels, Toxichem Krimtech 2016, 83(3): 157.