Humangenetik

In einer genetischen Beratung werden persönliche, sowie Daten zur Familie erhoben (Stammbaum). 

Ergeben sich hieraus Risiken, werden mögliche diagnostische Schritte erläutert und die sich daraus ergebenden Konsequenzen besprochen.

Eine genetische Beratung wird empfohlen bei:

  • Erbkrankheiten in der Familie,
  • geistigen/körperlichen Entwicklungsauffälligkeiten,
  • Auffälligkeiten in der Schwangerschaft,
  • unerfülltem Kinderwunsch,
  • Blutsverwandtschaft und Kinderwunsch
  • Zustand nach Aborten oder Totgeburten
  • familiären Krebserkrankungen (z. B. Brustkrebs, Darmkrebs)
  • Unerfülltem Kinderwunsch, insbesondere vor geplanter IVF- oder ICSI-Therapie,
  • Fragen  der Teratogenität (z. B. Medikamenteneinnahme,  Strahlenexposition oder Drogenabusus vor / in der Schwangerschaft).

Vor und nach jeder humangenetischen Diagnostik sollte, bei pränatalen oder prädiktiven Analysen muss laut Gendiagnostikgesetz §10 eine genetische Beratung angeboten werden. Um eine vorherige telefonische Anmeldung und Terminabsprache wird gebeten.

Die erforderliche genetische Diagnostik kann im Rahmen des genetischen Beratungsgespräches in unserer Praxis durchgeführt bzw. veranlasst werden.

Für allgemeine oder patientenspezifische Fragen zur Präanalytik, wie zum Beispiel Probenröhrchen, erforderliche Unterlagen (Einverständnis, Überweisungsschein, Kostenvoranschlägen für Privatversicherte Patienten, Probenentnahme und Probenversand), stehen wir Ihnen gerne  zur Verfügung.

Zentrale Telefonnummer: 0941-946822-0

E-Mail Adresse: genetik@labor-staber.de

 

Patientenaufklärung und Einwilligung zur genetischen Untersuchung

Entsprechend dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) dürfen in Deutschland humangenetische Untersuchungen nur vorgenommen werden, wenn der Patient / die Patientin von der verantwortlichen ärztlichen Person über Wesen, Bedeutung und Tragweite der genetischen Untersuchung hinreichend aufgeklärt wurde und eine schriftliche Einwilligung des Patienten zur Untersuchung und der Gewinnung der dafür erforderlichen Probe vorliegt. 

Für die Anforderung von diagnostischen, prädiktiven und pränatalen Untersuchungen bestehen unterschiedliche juristische Voraussetzungen.

Diagnostische Untersuchungen

sind Analysen zur Abklärung einer bestehenden Symptomatik des Patienten / der Patientin und dürfen von jedem Arzt angefordert werden. In diesen Fällen ist eine Angabe der klinischen Symptomatik erforderlich. Als diagnostische Analysen wird auch die Abklärung sogenannter Risikomarker angesehen, welche allein nicht krankheitsverursachend sind, wie zum Beispiel die Thrombophilieparameter oder die Abacavir-Hypersensitivität.

Prädiktive und Pränatale Untersuchungen

sind Analysen bei symptomfreien Patienten aufgrund einer familiären Belastung zur Abklärung eines Risikos für eine zukünftig auftretende Erkrankung oder zur Abklärung einer Anlageträgerschaft für Erkrankungen bei Nachkommen. Hierfür sind Angaben zur Familienanamnese erforderlich (wer ist betroffen und welche Mutation ist in der Familie gegebenenfalls bereits bekannt). Prädiktive und auch pränatale (vorgeburtliche) genetische Untersuchungen dürfen nur nach einer genetischen Beratung durch einen Facharzt/-ärztin für Humangenetik oder einen entsprechend qualifizierten Arzt veranlasst werden (GenDG §7 Abs. 1 und 3, §10 Abs.2). Hierbei ist das Angebot einer genetischen Beratung sowohl vor der Durchführung der jeweiligen Untersuchung als auch nach Vorliegen des Untersuchungsergebnisses gemäß § 10 Abs. 2 obligatorisch. 

Wichtige Regelungen zur Mitteilung der Ergebnisse sowie zur Aufbewahrung und Vernichtung der Ergebnisse und Proben sind im GenDG §§11 bis 13 enthalten.

Genetische Untersuchungen dürfen erst dann durchgeführt werden, wenn die Indikationsstellung aus den Auftragshinweisen geprüft und beurteilt werden kann.

Unser aktuelles Anforderungsformular für unsere genetischen Untersuchungen liegt für Sie zum Download bereit. Bitte fügen Sie Ihren Aufträgen mindestens die ausgefüllte Vorderseite und die Seite für die gewünschte Diagnostik bei.

Probenentnahme und Versand

Zur Identitätssicherung müssen alle Probengefäße mit Name, Vorname und Geburtsdatum beschriftet werden. 
Nach den Bestimmungen unseres Qualitätsmanagement-Systems muss unbeschriftetes Probenmaterial vernichtet werden, wenn die Identität des Materials nicht zweifelsfrei geklärt werden kann.

Infektiöses Material ist als solches zu kennzeichnen! (z.B. HIV-/Hepatitis C positiv).

Für alle humangenetischen Untersuchungen ist es nicht erforderlich, dass der Patient zur Probenentnahme nüchtern ist.

Probenentnahme für zytogenetische Untersuchungen

Für eine Chromosomenanalyse müssen die Zellen in aller Regel vorher im Labor in einer Zellkultur vermehrt werden. Dazu ist es wichtig, dass das Zellmaterial steril bleibt und innerhalb einer möglichst kurzen Zeit (spätestens 48 Stunden nach Entnahme) unser Labor erreicht. Der Versand sollte noch am Abnahmetag erfolgen. Sofern nicht anders telefonisch besprochen, sollte eine Entnahme von pränatalen Proben am Freitag oder an einem Tag vor einem Feiertag nicht durchgeführt werden, wenn ein rechtzeitiges Eintreffen in unserem Labor (s. Probenannahme) nicht gewährleistet ist.

Bitte die Proben bis zum Versand bei Raumtemperatur lagern und keinesfalls einfrieren. Der Versand der bruchsicher und auslaufsicher verpackten Proben sollte bei Raumtemperatur erfolgen. Bei extremen Außentemperaturen ist entsprechendes Dämmmaterial zu verwenden. Gerne stellen wir unseren Einsendern entsprechendes Versandmaterial kostenlos zur Verfügung. 
Bitte verwenden Sie keine Spritzen mit Naturkautschuk-Kolben, da diese zelltoxische Lösungsmittel enthalten.

Probenmaterial Probengefäß Hinweise

Blut ca. 5 ml

(bei Säuglingen/ Kleinkindern und Nabelschnurblut ca. 1- 2 ml)
Natrium-Heparin (ca. 500 I.E. pro ml Blut in sterilen Probenröhrchen)(1) oder Li-Heparin-Monovetten

Blut sofort nach Entnahme vorsichtig mit Antikoagulanz vermischen (Röhrchen mehrfach drehen, bitte nicht schütteln!)

Geronnenes Blut oder ein Zusatz von Citrat oder EDTA sind  nicht geeignet für die Chromosomenanalyse

Chorionzotten

> 15 mg (3-4 Zottenbäumchen)
sterile Probenröhrchen mit 5 ml sterilem Transportmedium(1) Für eine zusätzliche molekulargenetische Untersuchung ist entsprechend mehr Chorionzottengewebe (> 25 mg) notwendig und ca. 2-3 ml EDTA-Blut der Patientin für die Abklärung einer maternalen Zellkontamination.
Fruchtwasser
15-20 ml
Entnahmespritzen (ohne Nadel) verschlossen mit sterilen Steckstopfen, oder sterile Transportröhrchen Für eine zusätzliche molekulargenetische Analyse ist 2-3 ml EDTA-Blut der Patientin für die Abklärung einer maternalen Zellkontamination notwendig
Abortgewebe(2) 
ca. 1-3 cm3
sterile Probenröhrchen mit 5 ml sterilem Transportmedium(1) (alternativ steriles NaCl 0,9%). Bitte keinesfalls Formalin-haltige Gefäße verwenden! Die Entnahme von Abortgewebe (Chorionzotten, Fetalgewebe, Teile der Nabelschnur) muss unter sterilen Bedingungen erfolgen. Bitte nur geeignetes Gewebe einsenden, keine Feten.
Mundschleimhaut  

Bitte vorab telefonisch ankündigen!

Zur Probenentnahme erhalten von uns das entsprechende Entnahme- und Versandmaterial mit einer genauen Beschreibung der Vorgehensweise.  

(1)  auf Anfrage von uns erhältlich
(2)  Bei Abortgewebe ist bei Nachweis eines unauffälligen weiblichen Karyotyps nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, dass maternale Zellen analysiert wurden. In diesen Fällen ist der Nachweis einer maternalen Kontamination möglich. Allerdings kann diese Untersuchung nicht als Kassenleistung angeboten werden. Falls diese Untersuchung gewünscht wird, benötigen wir 2-3 ml EDTA-Blut der Mutter mit einer unterschriebenen Einverständniserklärung zur Kostenübernahme.

Probenentnahme für molekulargenetische Untersuchungen

Probenmaterial Probengefäß Hinweise
EDTA Blut
Erwachsene 5-10 ml bei Säuglingen/ Kleinkindern oder Nabelschnurblut ca. 1-2 ml)
EDTA-Monovette Blut sofort nach Entnahme durch hin- und herschwenken der Monovette mit Antikoagulanz mischen.
Genomische DNA 1-2 µg 500 µl oder 1,5 ml Reaktionsgefäß

Bitte Art der DNA Isolierung und DNA-Konzentration angeben.

Für die Diagnostik des Fragilen-X-Syndroms werden mindestens 5 µg DNA (≥100ng/µl) benötigt
Mundschleimhaut Sterile und DNA-freie Probenröhrchen  (1)

Bitte vorab telefonisch ankündigen!

Zur Probenentnahme erhalten von uns das entsprechende Entnahme- und Versandmaterial mit einer genauen Beschreibung der Vorgehensweise. 

(1) auf Anfrage von uns erhältlich

 

Zusätzliche zu jeder Probe für die Zytogenetik und Molekulargenetik benötigen wir 
- Ein vollständig ausgefülltes Anforderungsfomular mit:

  • Unterschrift der Patientin / des Patienten bzw. des gesetzlichen Vertreters
  • Stempel und Unterschrift der verantwortlichen Ärztin / des Arztes
  • Angaben zur Art der Probe und zum Datum der Probenentnahme
  • der Angabe, ob es sich um eine diagnostische, prädiktive oder pränatale Untersuchung handelt
  • Angaben zur Eigen- und Familienanamnese (klinische und anamnestische Angaben, Vorbefunde sowie Angaben zu Indexpatienten und familiär bekannten Mutationen)
  • Bei diagnostischen Untersuchungen ist eine Angabe der Symptomatik des Patienten erforderlich
  • Bei allen prädiktiven Untersuchungen benötigen wir eine Angabe welches Familienmitglied des Patienten in Bezug auf die angeforderte Diagnostik bereits erkrankt ist (=Indexpatient) mit Nennung der genauen Verwandtschaftsbeziehung und der familiär bekannten Mutation(en). Sind von betroffenen Familienangehörigen keine Untersuchungsergebnisse verfügbar, zum Beispiel weil der Indexpatient bereits verstorben ist, bitten wir um eine entsprechende Mitteilung.  Eine Auskunft über familiär bekannte Mutationen ist bei allen diagnostischen Untersuchungen wichtig, um unnötige Kosten- und Zeit-intensive Untersuchungen zu vermeiden
  • Patienten spezifische Mitteilungen, wie zum Beispiel über eine aktuelle Chemotherapie, eine bestehende Leukämie, hämatologische Auffälligkeiten (Leukozytopenie, Neutropenie), eine vorangegangene Knochenmarktransplantation oder Infektiosität der Blutprobe (z.B. HIV, Hepatitis)
  • Bei Kassenpatienten einen Überweisungsschein Muster 6 und 10

Probenentnahme für den Septin9-Test zur molekulargenetischen Darmkrebs-Früherkennung

Probenmaterial Probengefäß Hinweise
Blut 2 x 8 ml CPDA-Monovette

Blut sofort nach Entnahme vorsichtig mit Antikoagulanz vermischen (Röhrchen mehrfach invertieren, nicht schütteln!)

Eingang innerhalb von 48h in unserem Labor (1)

(1) BITTE BEACHTEN: Bei dem Septin9-Test kann ein valides Ergebnis nur dann erhoben werden, wenn die CPDA-Blutprobe innerhalb von 48 Stunden nach der Blutentnahme in unserem Labor bearbeitet wird.
Die Probenentnahme sollte daher keinesfalls vor Feiertagen oder am Ende der Woche erfolgen. Bitte teilen Sie uns immer Datum und Uhrzeit der Probenentnahme mit.

Probenannahme

Öffnungszeiten des MVZ: 

Montag bis Donnerstag von 8:00 bis 17:00 Uhr
Freitag von 8:00 bis 16:00 Uhr

Bei Einsendungen von Untersuchungsmaterial für unser Zytogenetik-Labor (Chromosomenanalysen) bitten wir folgende Annahmezeiten zu beachten: 

Ohne Voranmeldung können Fruchtwasserproben, Chorionzottenbiopsien, Abortgewebe und Blutproben Montag bis Donnerstag von 8:00 bis 16:00 Uhr und Freitag von 8:00  bis 15.00 Uhr angenommen und bearbeitet werden. 

Bei einer Anforderung der pränatalen Schnelldiagnostik (FISH-Schnelltest) ist nur bei Eingang von Montag bis Donnerstag vor 16:00 Uhr und Freitag vor 14.00 Uhr eine Ergebnismitteilung am folgenden Werktag nach Einsendung möglich. 
Für Probeneingänge Montag bis Donnerstag nach 16:00 und Freitag nach 15:00 Uhr ist eine telefonische Voranmeldung unter 0941-9468220 zwingend erforderlich. 

Vor Feiertagen und Wochenenden erbitten wir ebenfalls eine telefonische Voranmeldung und es sollte darauf geachtet werden, dass die verwendete Verpackung in einen gängigen Postkasten passt. Gerne schicken wir Ihnen kostenlos geeignetes Versandmaterial zu.

Bei zytogenetischen Untersuchungen werden die Chromosomen (Erbgutträger) aus bestimmten Körperzellen, in der Regel aus Blut, Bindegewebe, Fruchtwasser oder aus Chorionzotten, unter dem Lichtmikroskop bei ca. 1200facher Vergrößerung analysiert.

Untersuchungsziel ist die Analyse des Chromosomensatzes (Karyotyps) auf zahlenmäßige oder strukturelle Veränderungen. Regulär enthalten die Körperzellen des Menschen in ihrem Zellkern 46 Chromosomen, in denen sich der Hauptbestandteil der genetischen Information befindet. 44 dieser Chromosomen, genannt Autosomen, lassen sich für Mann und Frau gleichermaßen in 22 Paare anordnen. Das 23. Chromosomenpaar besteht aus den beiden Geschlechtschromosomen, den Gonosomen. Bei der Frau liegen die beiden X-Chromosomen, beim Mann ein X- und ein Y-Chromosom vor.

Zytogenunter Dieses

Der abgebildete Chromosomensatz zeigt einen nummerisch und strukturell unauffälligen, männlichen Karyotyp, der mit der Karyotypformel 46,XY beschrieben wird.

Häufige Indikationen für eine mikroskopische Chromosomenanalyse sind unter anderem:

  • Pränatale Chromosomenanalyse, zum Beispiel aus Fruchtwasser oder Chorionzotten bei erhöhtem mütterlichem Alter oder bei klinischem Verdacht auf eine fetale Chromosomenanomalie
  • Postnatale Chromsomenanalyse
    • Abklärung des klinischem Verdachts auf eine Chromosomenanomalie, zum Beispiel Down-Syndrom
    • Abklärung einer psychomotorischen Entwicklungsstörung und/oder Fehlbildungen
    • Abklärung eines Kleinwuchses, zum Beispiel zum Ausschluss eines Ullrich-Turner-Syndroms
    • Abklärung habitueller Aborte oder eines unerfüllten Kinderwunsches

Für weitere Fragen zur zytogenetischen Diagnostik (z.B. Rückfragen zu individuellen Panels, Bearbeitungszeiten, Probenmaterial etc.) stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Sie können uns telefonisch über unsere Zentrale 0941- 94 6822-0 oder per email unter genetik@labor-staber.de erreichen.

MOLEKULARE ZYTOGENETIK (FISH)

Die Technik der „Fluoreszenz in situ Hybridisierung“ (FISH) ermöglicht es, die Anzahl bestimmter DNA-Abschnitte in einzelnen Zellen und deren Position innerhalb der Chromosomen sichtbar zu machen. Damit lassen sich numerische und strukturelle Chromosomenaberrationen näher definieren.

FISH bei numerischen Chromosomenaberrationen

Bei Verdacht auf eine Trisomie 13, 18 oder 21 bei einem Neugeborenen kann zur raschen Abklärung ähnlich wie in der Pränataldiagnostik im Rahmen einer Chromosomenanalyse ein FISH-Schnelltest an den Zellkernen der unkultivierten Blutzellen durchgeführt werden (s.u. Pränataler Schnelltest).

Mit der Fluoreszenz in situ Hybridisierung an Zellkernen aus Mundschleimhautzellen ist die Untersuchung eines, neben Blutlymphozyten einfach zu gewinnenden, zweiten unabhängigen Zelltyps möglich. Dies dient hauptsächlich zur Abklärung von numerischen Aberrationen der Geschlechtschromosomen bei Verdacht auf ein Zellmosaik.

FISH bei strukturellen Chromosomenaberrationen

Mikrodeletionen (submikroskopische Deletionen)

Humangenetik Labor Staber
Nachweis einer Mikrodeletion 22q11.2

Hierbei gelingt der Nachweis kleinster chromosomaler Deletionen bei definierten Syndromen (übergeordneten Krankheitsbildern), die auf konventionelle zytogenetische Weise nicht erkennbar sind.

Für folgende Mikrodeletionssyndrome stehen FISH-Sonden in unserem Labor zur Verfügung:

  • 1p36 Deletions-Syndrom (Mikrodeletion 1p36; OMIM #607872)
  • Williams-Beuren-Syndrom (Mikrodeletion 7q11.23; OMIM #194050)
  • Smith-Magenis-Syndrom (Mikrodeletion 17p11.2; OMIM #182290)
  • Miller-Dieker-Syndrom (Mikrodeletion 17p13.3; OMIM #247200)
  • 22q11.2-Deletions-Syndrom (Mikrodeletion 22q11.2; OMIM #188400, #192430)

Die Abklärung weiterer Mikrodeletionssyndrome kann individuell nach telefonischer Rücksprache erfolgen. 

Translokationen und derivative Chromosomen

Translokation Labor Staber
Nachweis einer reziproken Translokation t(8;12)(q13;q11)

Bei Vorliegen einer augenscheinlich balanzierten Translokation (Stückaustausch zweier Chromosomen) wird zum Ausschluss eines komplexeren chromosomalen Umbaus eine komplette Färbung der beteiligten Chromosomen mit so genannten „whole chromosome painting (= wcp)“ Sonden durchgeführt.

Findet sich in der zytogenetischen Analyse ein auffälliges Chromosom, dessen Zusammensetzung mit konventionellen zytogenetischen Methoden nicht vollständig geklärt werden kann, wird eine FISH-Diagnostik durchgeführt. 
Je nach Auffälligkeit können dabei „whole chromosome painting (wcp)“- Sonden bei Verdacht auf einen innerchromosomalen Umbau oder locus-spezifische „single copy“ DNA-Sonden, beispielsweise aus der Subtelomerregion bei Verdacht auf eine unbalanzierte Translokation oder eine Telomer-nahe Deletion eingesetzt werden.

PRÄNATALER SCHNELLTEST

FISH Test Labor Staber
Unauffälliges FISH Ergebnis bei einem männlichen Feten

Etwa 90% aller Chromosomenaberrationen, die bei einer pränatalen zytogenetischen Diagnostik gefunden werden, sind numerische Aberrationen der Chromosomen 13, 18, 21, X oder Y.

Mit Hilfe der Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH) kann die Anzahl dieser fünf Chromosomen pro Zelle auch in unkultivierten Interphase-Zellen sichtbar gemacht werden.

Auf diese Weise lässt sich bereits nach 24 Stunden ermitteln, ob in den Zellen eine Trisomie 13, 18, 21 oder auch eine numerische Aberration der Chromosomen X und Y vorliegt. Hierzu werden von dem entnommenen Fruchtwasser bis zu 3 ml abgezweigt. Die Mindestmenge für die FISH-Diagnostik hängt von der Schwangerschaftswoche ab. In der 14. Woche ist die Zellzahl im Fruchtwasser noch sehr gering, das heißt hier wird entsprechend mehr Fruchtwasser als in einer späteren Woche benötigt, damit genügend Zellkerne für die Auswertung zur Verfügung stehen. Bei allen Bemühungen um ein schnelleres Ergebnis muss aber auf jeden Fall sichergestellt sein, dass für die konventionelle Chromosomenanalyse eine ausreichende Zellzahl für die Kultivierung erhalten bleibt. Im Extremfall kann das bedeuten, dass die FISH-Analyse nicht durchführbar ist, oder zu keinem Ergebnis führt, wenn die verfügbare Zellzahl zu gering ist. Eine nachfolgende zytogenetische Analyse ist in jedem Fall zwingend vorgeschrieben, da die FISH-Untersuchung weder strukturelle Aberrationen noch numerische Aberrationen der übrigen Chromosomen erfasst. Auch Zellmosaike mit numerischen Aberrationen der fünf untersuchten Chromosomen lassen sich mit dem FISH-Test nicht sicher nachweisen. Gänzlich ungeeignet für die FISH-Methode ist Fruchtwasser, das mit Blut kontaminiert ist, weil dadurch die Gefahr besteht, dass bei der Auswertung mütterliche Zellen analysiert werden.

Bei auffälligen Ultraschallbefunden des Feten wird die FISH-Diagnostik als Ergänzung zur zytogenetischen Abklärung durchgeführt. Bei der Einsendung von Fruchtwasser mit der Anforderung einer Schnelldiagnostik in Hinblick auf numerische Aberrationen der Chromosomen 13, 18, 21, X und Y (FISH-Test) ist zu beachten, dass es sich hierbei im Fall eines unauffälligen Ultraschallbefund des Feten nicht um eine Kassenleistung handelt.

Für weitere Fragen zur zytogenetischen Diagnostik (z.B. Rückfragen zu individuellen Panels, Bearbeitungszeiten, Probenmaterial etc.) stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

ARRAY-CGH (Comparative Genomic Hybridisation)

Bei dieser molekularen Karyotypisierung handelt es sich um eine vergleichende Hybridisierung (CGH = „comparative genomic hybridization“) von Patienten- und Referenz-DNA auf definierte DNA-Fragmente (Sonden), die als Raster (Array) auf einem Glasobjektträger gebunden vorliegen. Hiermit lassen sich genomweit chromosomale Imbalancen (Verlust oder Zugewinn chromosomaler Abschnitte) mit einer extrem hohen Auflösung nachweisen.

Array CGH Labor Staber
Array CGH

Bei Kindern mit mentaler Retardierung und zusätzlichen Dysmorphiezeichen führt eine Chromosomenanalyse häufig zu einem unauffälligen zytogenetischen Befund, da in der konventionellen zytogenetischen Analyse Deletionen und Duplikationen in der Regel erst ab ca. 5-10 Megabasen zu erkennen sind. Weiterführende FISH-Untersuchungen zur Identifizierung submikroskopischer Chromosomenveränderungen bleiben bei Patienten, deren Symptomatik nicht eindeutig auf ein spezifisches, gezielt abzuklärendes Mikrodeletionssyndrom hindeutet, in vielen Fällen ebenfalls ohne Nachweis einer Chromosomenveränderung. Hierbei - aber auch bei auffälligen Chromosomenbefunden - kann die Array-CGH als hochauflösende Karyotypisierung für eine weitere Abklärung und zur genaueren Bestimmung einer Deletion oder Duplikation eingesetzt werden. 

Mit dem verwendeten Oligo-Array (CytoSure Constitutional v3 (4x180k), OGT, Oxford, UK) wird im Bereich von über 500 klinisch relevanten Gene aller derzeit bekannten Mikrodeletions- und Mikroduplikationssyndrome eine Auflösung von unter 20 kb erreicht.

Für weitere Fragen zur Array-CGH Diagnostik (z.B. Rückfragen zu individuellen Panels, Bearbeitungszeiten, Probenmaterial etc.) stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Sie können uns telefonisch über unsere Zentrale 0941-94 6822-0 oder per Email unter genetik@labor-staber.de erreichen.

Methodik:

Etwa gleiche Mengen genomischer Patienten-DNA und DNA einer gesunden Kontrollperson werden mit unterschiedlichen Fluorochromen (Patienten-DNA = rot, Kontroll-DNA = grün) chemisch markiert und gemeinsam auf einem Array hybridisiert.

Methodik Labor Staber

Durch Messung der Intensitätsverhältnisse der verwendeten Fluoreszenzfarbstoffe an jeder einzelnen Sondenposition sind Deletionen und Duplikationen durch Dosisunterschiede nachweisbar. Der Nachweis einer Imbalance mit möglicher Relevanz für die Symptomatik des Patienten wird, soweit dies möglich ist, durch MLPA oder FISH mit einer entsprechenden Sonde bestätigt und/oder ggf. über eine Elternuntersuchung weiter abgeklärt.

Die Array-CGH ermöglicht auch eine Karyotypisierung von Abortgewebe, bei dem aufgrund fehlender Zellproliferation keine konventionelle Chromosomenanalyse durchgeführt werden kann.

Im Gegensatz zu einer konventionellen Chromosomenanalyse oder einer FISH-Diagnostik sind balancierte Chromosomenveränderungen (Translokationen, Inversionen) und geringgradige Mosaike mit einer Array-CGH nicht nachweisbar.

Ziel der molekulargenetischen Diagnostik ist es, Veränderungen der DNA in einzelnen Genen festzustellen bzw. auszuschließen, die lichtmikroskopisch nicht nachweisbar sind.  

Voraussetzung dafür ist eine möglichst präzise Verdachtsdiagnose, die vom behandelnden Arzt oder im Rahmen einer genetischen Beratung gestellt wird. Bei klinischem Verdacht auf eine bekannte erbliche Erkrankung erfolgt dann die Suche nach der zugrunde liegenden genetischen Veränderung (Mutation) zielgerichtet im jeweiligen Gen. Entsprechend der Fragestellung wird die Mutation mit der jeweils geeigneten molekulargenetischen Technik (s.u.) dargestellt. Wir beraten Sie gerne, welches diagnostische Vorgehen im Einzelfall am sinnvollsten ist.

Der Nachweis einer ursächlichen Mutation bei einer erkrankten Person ermöglicht dann ggf. auch eine prädiktive (vorhersagende) genetische Diagnostik bei den gesunden Risikopersonen der betroffenen Familie zum sicheren Nachweis oder Ausschluss der Mutation. Hierdurch können die Risikopersonen frühzeitig erkannt und weitere Maßnahmen, wie z.B. Früherkennungs-Untersuchungen bei erblichen Tumorsyndromen eingeleitet werden.

Eine pränatale oder prädiktive genetische Diagnostik darf gemäß Gendiagnostikgesetz aufgrund der potenziell weitreichenden Konsequenzen eines genetischen Befundes nur nach vorheriger humangenetischer Beratung durchzugeführt werden.

Sequenz Labor Staber

In unserem molekulargenetischen Labor werden medizinisch-genetische Fragestellungen aus den folgenden Bereichen bearbeitet:

  • Erbliche Tumorerkrankungen
  • Hämatologie und Gerinnungsstörungen, zum Beispiel Alpha- und Beta- Thalassämie, Protein S- und Protein C- Defizienz
  • Neurogenetik und mentale Retardierung zum Beispiel Fragiles X-Syndrom, Chorea Huntington, Neurofibromatose
  • Reproduktionsgenetik zum Beispiel AZF-Deletion, CYP21A2- Defizienz
  • Erbliche Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel die hereditäre Pankreatitis, das Mittelmeerfieber, MODY-Diabetes, Mukoviszidose, Morbus Wilson, Hämochromatose
  • Syndromdiagnostik zum Beispiel Di-George Syndrom, SHOX-Haploinsuffizienz

Das vollständige Anforderungsformular inkl. aller Genanalysen finden Sie hier zum Download.

Für weitere Fragen zur molekulargenetischen Diagnostik (z.B. Rückfragen zu individuellen Panels, Bearbeitungszeiten, Probenmaterial etc.) stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung. 
Sie können uns telefonisch über unsere Zentrale 0941-94 6822-0 oder per Email unter genetik@labor-staber.de erreichen.

MOLEKULARGENETISCHE TECHNIKEN:

Agarosegelelektrophorese
Bei der Gelelektrophorese werden elektrisch geladene Moleküle unter Einfluss eines elektrischen Feldes auf einem Gel aufgetrennt. Die Agarosegelelektrophorese wird zur Trennung von Nukleinsäuren eingesetzt, wie z.B. von PCR-Produkten oder von genomischer DNA vor Anfertigung eines Southern-Blots.

DNA-Sequenzierung nach Sanger
Mit dieser klassischen Methode der DNA-Sequenzierung wird die Basenabfolge innerhalb eines bestimmten DNA-Moleküls bestimmt, um vorliegende Mutationen zu identifizieren.
Bei der Amplifikation der DNA mittels PCR führt der Einbau von Didesoxynukleotiden zum Kettenabbruch. Die markierten Syntheseprodukte werden durch Gelelektrophorese analysiert (z.B. mit einer Fluoreszenzmarkierung auf einem Kapillarsequenzierer).

Hybridisierung
Hybridisierung beschreibt einen Vorgang, bei dem sich einzelsträngige Nukleinsäuren mit zu ihnen komplementären Nukleinsäuresträngen zusammenlagern. Durch Hybridisierung mit einer markierten RNA oder DNA-Sonde können spezifische DNA-Sequenzbereiche identifiziert werden. Beispielsweise werden beim Southern Blot die DNA-Fragmente auf einer Membran gebunden oder die Sonden sind bei der Array-CGH (comparative genomic hybridization) als Raster auf einem Glasobjektträger fixiert.

Kapillarelektrophorese
Bei dieser Form der Elektrophorese findet die Auftrennung in einem dünnen Kapillarrohr in einer Elektrolytlösung statt, so dass sehr kleine Probenvolumina eingesetzt werden können. Mittels DNA-Sequenzierer werden die fluoreszenzmarkierten DNA-Fragmente der Sanger-Sequenzierung aufgetrennt und analysiert. 

MLPA
Die MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) erlaubt die gleichzeitige Analyse von definierten DNA-Abschnitten (Loci) im Genom im Hinblick auf Kopiezahlveränderungen (Deletionen oder Duplikationen) einzelner Genbereiche oder ganzer Gene. Das Verfahren beruht auf einer Hybridisierung von spezifischen Oligonukleotiden, die jeweils paarweise an benachbarte Nukleotide der Zielsequenz binden können und anschließend über eine Ligation miteinander verknüpft werden. Die Menge der sequenzspezifischen Ligationsprodukte ist dabei proportional zur Kopiezahl der entsprechenden Ziel-Sequenz. Nach einer PCR mit einem Fluoreszenz-markierten Primer werden die Amplifikationsprodukte durch Kapillarelektrophorese der Größe nach getrennt. Durch einen Vergleich der erhaltenen Peakflächen für jede Zielsequenz bei dem Patienten und parallel untersuchter Kontrollpersonen werden Dosisunterschiede erkennbar, wenn an der entsprechenden Stelle in der DNA des Patienten eine Deletion oder Duplikation vorliegt.

Multiplex PCR
Bei einer Multiplex PCR werden mehrere unterschiedliche Primerpaare für verschiedene DNA-Abschnitte in einem PCR-Ansatz verwendet, um gleichzeitig zum Beispiel verschiedene Regionen eines Gens zu amplifizieren.

PCR (Polymerase-chain reaction) 
Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist eine Methode zur Vervielfältigung (Amplifikation) von DNA. Entsprechend der spezifischen DNA-Zielsequenz werden vorab geeignete, flankierende Primer (DNA-Oligonukleotide) ausgewählt. Mittels DNA-Polymerase wird dieser DNA-Abschnitt durch wiederholtes Denaturieren, Primer - Anlagern (Annealing) und anschließende DNA-Synthese (Elongation) vervielfältigt. Die Produkte vorheriger Zyklen dienen als Ausgangsstoffe für den nächsten Zyklus („Kettenreaktion”) und ermöglichen somit eine exponentielle Zunahme der DNA-Menge, sodass auch bei sehr geringen DNA-Mengen eine Analyse möglich ist. Der Thermocycler ermöglicht einen automatischen Ablauf dieser PCR.

Realtime PCR
Bei der Real time PCR kann die Zunahme der PCR-Produkte aufgrund der eingebauten Fluoreszenzfarbstoffe in Echtzeit („real time“) beobachtet werden.

Southern Blot
Für einen Southern Blot wird die gesamte genomische DNA zunächst mittels sogenannter Restriktionsendonukleasen fragmentiert und dann über ein Agarosegel aufgetrennt. Beim Kapillarblot werden die DNA-Fragmente auf eine geeignete Trägermembran transferiert. Der Nachweis von spezifischen DNA-Sequenzen erfolgt durch Hybridisierung mit markierten Sonden.

Next Gen Sequencing Labor Staber

Mittels der Hochdurchsatzsequenzierung („Next Generation Sequencing“, kurz NGS) kann eine Vielzahl von Genen gleichzeitig analysiert werden.

NGS wird daher insbesondere für erbliche Erkrankungen eingesetzt, für die Mutationen in verschiedenen Genen verantwortlich sein können (heterogene Erkrankungen), wie zum Beispiel für erbliche Tumorerkrankungen. Für diese Fragestellungen bieten wir NGS Paneldiagnostiken an, welche die jeweiligen assoziierten Gene enthalten.

Dadurch werden krankheitsverursachende Mutationen schneller, umfassender und kostengünstiger identifiziert, als dies mit einer konventionellen Sanger-Sequenzierung möglich wäre.

PANELS:

Erbliche Tumorerkrankungen

Hereditäres Brust- und Ovarialkarzinom (HBOC) - Basisdiagnostik
BRCA1BRCA2CHEK2PALB2RAD51C

Hereditäres Brust- und Ovarialkarzinom (HBOC) - erweiterte Diagnostik
ATMBRIP1CDH1RAD51DTP53

Hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom (HNPCC)
MLH1MSH2 (inkl. EPCAM Exon 9 Deletion), MSH6PMS2

Familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP/MAP)
APCMUTYH

Familiäre juvenile Polyposis (FJP)
BMPR1ASMAD4

Kolonkarzinom
TP53CHEK2MUTYHPOLEPOLD1PTENSTK11

Kolonkarzinom mit Polyposis
APCBMPR1AMUTYHSMAD4GREM1MSH3NTHL1POLEPOLD1PTENSTK11

Li-Fraumeni-Syndrom / Li-Fraumeni-Syndrom 2
TP53CHEK2

Magenkarzinom
CDH1BMPR1ACHEK2MLH1MSH2 (inkl. EPCAM Exon 9 Deletion), MSH6PMS2SMAD4STK11TP53

Magenkarzinom – erweiterte Diagnostik (>25kb)
CDH1APCATMBMPR1ABRCA1BRCA2CHEK2MLH1MSH2 (inkl. EPCAM Exon 9 Deletion), MSH6MUTYHPMS2PTENSMAD4STK11TP53

Nierenkarzinom
FHFLCNMETCHEK2PTENSMARCB1TP53TSC1TSC2VHL

Nierenkarzinom – erweiterte Diagnostik (>25kb)
FHFLCNMETBAP1CHEK2DICER1DIS3L2MLH1MSH2 (inkl. EPCAM Exon 9 Deletion), MSH6PMS2PTENSDHBSDHDSMARCB1TP53TSC1TSC2VHLWT1

Pankreaskarzinom
BRCA1BRCA2CDKN2APALB2STK11TP53

Pankreaskarzinom – erweiterte Diagnostik (>25kb)
BRCA1BRCA2CDKN2APALB2STK11TP53APCATMCDC73CHEK2MLH1MSH2 (inkl. EPCAM Exon 9 Deletion), MSH6PMS2PTEN

Paragangliom-Phäochromozytom-Syndrom
RETSDHAF2SDHASDHBSDHC SDHDVHLMAXMEN1NF1TMEM127

Prostatakarzinom
BRCA2BRCA1CHEK2PALB2

individuelle Tumordiagnostik (nach Rücksprache)
indikationsbezogenes und personalisiertes Multi-Gen-Panel

 

Erbliche Stoffwechselerkrankungen

Maturity Onset Diabetes of the Young (MODY Diabetes)
HNF4AGCKHNF1APDX1HNF1BNEUROD1KLF11CELPAX4INSBLKABCC8KCNJ11APPL1

Erbliche Pankreatitis
PRSS1SPINK1CFTRCPA1CTRC 

 

Neurogenetik

Neurofibromatose
NF1 (ggf. SPRED1)

Tuberöse Sklerose
TSC1TSC2

 

(Anforderungsformular, PDF-öffnet in neuem Fenster)

Für weitere Fragen zur molekulargenetischen Diagnostik (z.B. Rückfragen zu individuellen Panels, Bearbeitungszeiten, Probenmaterial etc.) stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung. 

Eine NGS Paneldiagnostik mit einer Größe <25kb wird von den gesetzlichen Krankenkassen als Teil der regulären Versorgung übernommen. Die Durchführung der erweiterten Paneldiagnostik (>25kb) muss bei der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse beantragt werden (diese erweiterten Paneldiagnostiken sind im Anforderungsformular separat gekennzeichnet)

Sie können uns telefonisch über unsere Zentrale 0941-94 6822-0 oder per Email unter genetik@labor-staber.de erreichen.

Methodik:

Next Generation Sequencing (NGS) ist ein Hochdurchsatzsequenzier-Verfahren, welches unter anderem für die parallele Sequenzierung mehrerer Gene (Gen-Panel-Analyse), die parallele Sequenzierung eines Großteils der kodierenden Abschnitte (Whole-Exome-Analyse) oder die Sequenzierung des gesamten Genoms (Whole-Genome-Analyse) eingesetzt wird. Je nach Fragestellung werden vor der eigentlichen Sequenzierung bestimmte Bereiche des Genoms durch Hybridisierung mit spezifischen Sonden oder durch gezielte Amplifikation mittels Multiplex-PCR angereichert. Die so erzeugten doppelsträngigen DNA-Fragmente werden mit Adaptern, Indices und gegebenenfalls molekularen Tags versehen, wodurch eine eindeutige Zuordnung jedes einzelnen DNA-Moleküls gewährleistet wird. Nach der Denaturierung und der Sequenzierung dieser DNA-Bibliotheken werden die erhaltenen Sequenzdaten bioinformatisch sortiert, gefiltert und die Sequenzen jedes Einzelmoleküls individuell an der Referenzsequenz des humanen Genoms ausgerichtet. So entsteht ein Datensatz, der in der Regel jeden zu sequenzierenden Bereich mit mehreren Einzelsequenzen abdeckt. Die Höhe dieser Abdeckung (= Coverage) der zu analysierenden Gene bestimmt die Qualitätsstufe der Diagnostik: durch höhere Coverage-Werte können Lesefehler ausgeschlossen und Punktmutationen nachgewiesen werden. Die Datensätze enthalten darüber hinaus Hinweise auf Deletionen oder Duplikationen (Copy Number Variations, CNVs) einzelner Exons.

Strukturelle Chromosomenanomalien, Repeatexpansionen (z.B. auch das Fragile-X-Syndrom) und Varianten in Bereichen mit Homopolymeren oder Pseudogenen werden durch die DNA-Sequenzierung beim derzeitigen Stand der Technik nicht zuverlässig erfasst. In diesen Fällen werden bei Bedarf alternative Methoden eingesetzt (z.B. Long-Range-PCR, Array-CGH, Southern Blot).

Medizinische Bewertung:

Mittels NGS nachgewiesene Sequenzvarianten mit potentieller klinischer Relevanz für Mendelsche Krankheiten werden unter Berücksichtigung der Standards des American College of Medical Genetics and Genomics (ACMG) wie folgt klassifiziert (Richards S et al. 2015):

Klasse 5: pathogen
Klasse 4: wahrscheinlich pathogen
Klasse 3: unklare klinische Signifikanz (variants of uncertain significance, VUS)

Benigne oder wahrscheinlich benigne Varianten (Klasse 1 und 2), die nach heutigem Kenntnisstand nicht als krankheitsrelevant eingestuft sind, werden nicht durch eine unabhängige Untersuchung verifiziert und im Befund nicht erwähnt, können aber auf Anfrage mitgeteilt werden.

Datenbanken

Zu Punktmutationen und Indels gelangen Sie hier. (Öffnet neues Fenster)
Strukturelle Varianten: In der Tabelle finden Sie die strukturellen Varianten nach Chromosomen geordnet. Die Daten werden mittels des UCSC Genom-Browsers visualisiert. Alternativ können Sie die Daten im BED-Dateiformat herunterladen und in einem lokalen Genombrowser (zum Beispiel IGV; hg19) visualisieren. 

 

chr1 

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chrY 

Am 01.02.2010 ist in Deutschland das Gendiagnostikgesetz (GenDG) in Kraft getreten. Dieses Gesetz betrifft genetische Untersuchungen am Menschen, nicht jedoch Erregerdirektnachweise.

Nach dem Gendiagnostikgesetz dürfen genetische Analysen nur noch nach Aufklärung des Patienten über Zweck, Art, Umfang, Aussagekraft und Tragweite der Untersuchung durch den verantwortlichen Arzt (schriftl. Dokumentation) sowie vorliegender schriftlicher Einwilligungserklärung des Patienten durchgeführt werden.

Bei nicht einwilligungsfähigen Personen ist die Aufklärung und Einwilligung des gesetzlichen Vertreters erforderlich.

Wir bitten Sie daher, bei jedem genetischen Untersuchungsauftrag das beiliegende Anforderungsformular mit Einwilligungserklärung zu benutzen.

Das Formular können Sie über uns beziehen. Laut GenDG ist das beauftragte Labor zur Vernichtung der Untersuchungsdaten nach 10 Jahren verpflichtet. Eine längere Aufbewahrung der Untersuchungsdaten ist jedoch bspw. bei monogenen Erkrankungen sinnvoll, um eine spätere Zieldiagnostik bei weiteren Familienmitgliedern vornehmen zu können. Sie können im Rahmen der Aufklärung auf die Möglichkeit zur längeren Aufbewahrung der Untersuchungsdaten aufmerksam machen.

Diagnostische genetische Untersuchungen dürfen von allen Ärzten angefordert werden. Bei diagnostischen genetischen Untersuchungen, wie z.B. bei der molekulargenetischer Abklärung einer Faktor V-Leiden-Mutation bei Thrombose soll laut GenDG eine genetische Beratung angeboten werden.

Prädiktive Untersuchungen mit dem Ziel der Abklärung zukünftig auftretender Erkrankungen (wie z.B. erbliche Krebserkrankungen oder Elternuntersuchungen) sowie Untersuchungen der Pränataldiagnostik dürfen nur von Fachärzten für Humangenetik (oder entsprechend qualifizierten Ärzten) angefordert werden. Vor und nach einer prädiktiven oder pränatalen Untersuchung muss zudem eine humangenetische Beratung erfolgen.

Genaue Vorgaben zur Umsetzung des GenDG werden durch die Gendiagnostik-Kommission (GeKo) festgelegt. Der Gesetzestext kann über https://www.gesetze-im-internet.de/gendg/ nachgelesen werden. Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.